Stop TTIP - wir waren dabei!

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Am Samstag, den 10.10.2015 demonstrierten ca. 250.000 Menschen aus ganz Deutschland in Berlin gegen die Freihandelsabkommen TTIP und CETA. Greenpeace Essen war mit 12 Ehrenamtlichen dabei. Das Protokoll einer gelungen Aktion... 

Essen, 10.10.2015 - gegen 03.00 Uhr morgens

Auf drei kleine Gruppen verteilt, machen sich insgesamt 12 Aktivsten auf den Weg zu den Bahnhöfen in Duisburg, Gelsenkirchen oder Dortmund. Denn der Sonderzug zur "STOP TTIP"-Demo kann unsere Stadt aufgrund des Stellwerkbrands nicht anfahren. Aber das kann einen echten Aktivisten nicht aufhalten! Schnell noch das vergessene Megaphon aus dem Gruppenbüro holen und los!

Duisburg, 03:59 Uhr

Eigentlich sollte der Sonderzug jetzt abfahren. 5 Essener Greenpeacer stehen zusammen mit weiteren ca. 100 Demonstranten anderer Gruppierungen am Gleis. Doch dann die Durchsage: "Der Sonderzug nach Berlin-Gesundbrunnen hat ca. 50 Minuten Verspätung." Die Ringe unter den Augen verdunkeln sich. Kurz. Dann erhellt sich die Stimmung wieder, denn die Gruppe junger Erwachsener nebenan hat Musik dabei...

Duisburg, 04:15 Uhr

Björn ruft an und erkundigt sich, in welchem Wagon wir sitzen. Offenbar wurde die Verspätung in Dortmund noch nicht durchgegeben.

Duisburg, 04:55 Uhr

Endlich, der Zug ist da und wir rollen los.

Gelsenkirchen, 05:10 Uhr

Drei weitere Gruppenmitlieder steigen dazu. Spielkarten werden ausgepackt. Das hilft gegen die Müdigkeit. Gegen 05:30 Uhr kommen in Dortmund auch die letzten Essener dazu. Der Zug ist insgesamt schon sehr voll und die Vorfreude steigt.

Gegen 09:30 Uhr

Irgendwo zwischen Magdeburg und Berlin hat sich die Gruppe in drei Lager gespalten: Die einen versuchen, etwas Schlaf nachzuholen. Eine Gruppe unterhält sich angeregt über die Effizienz von Elektromotoren und die dritte Gruppe bemüht sich um Kreativität beim Dichten knackiger Parolen gegen TTIP.

Berlin-Gesundbrunnen, 10:45 Uhr

Wir sind angekommen. Jetzt wird das Megaphon "scharf gemacht", die grüne "Dienstkleidung" angelegt und dann geht es mit dem Regional-Express weiter zum Berliner Hauptbahnhof.

Washington-Platz, 11:15 Uhr

Obwohl die meisten Sonderzüge noch auf dem Weg sind, ist der Platz vor dem Berliner Hauptbahnhof mit Blick auf das Kanzleramt prall gefüllt. Wir schieben uns durch die Menge zum großen Greenpeace-Ballon, dem offiziellen Sammelplatz. Wiedersehen mit Bekannten Gesichtern aus ganz Deutschland. Die Kundgebung ist bereits voll im Gang, die diversen Redner wechseln sich ab. Wir hören zu, machen ein paar erste Fotos.

Washington-Platz, ab 12:00 Uhr

Der Platz ist so voll, dass immer wieder Teilnehmer gebeten werden, sich schon einmal auf den späteren Zugweg zu begeben, damit Neuankömmlinge vom Hauptbahnhof nachrücken können. Zwischenzeitlich musste der Bahnhof wegen Überfüllung sogar für den Zugverkehr geschlossen. Die Stimmung ist aber bei allen gelassen. Das perfekte, milde Wetter ist dabei sicherlich auch hilfreich.

Demo, ca. 14:00 Uhr

Langsam beginnt sich der grüne Greenpeace-Block (die genaue Anzahl kann ich nicht schätzen") samt Trommler-Gruppe "SolarDrums" Richtung Zugweg zu schieben. Bei der Menge an Demonstranten geht es aber nur sehr langsam voran. Wie man hört, ist die Spitze der Demo jetzt schon am Ziel angekommen. Was wir verstehen: Wir sind echt viele Menschen!

Demo, ca. 15:00 Uhr

Langsam aber sicher geht es durch die Straßen von Berlin. Viele Passanten machen Fotos von uns. Aus dem Begleitwagen vor uns kommt per Lautsprecher die Meldung "Wir sind 250.000!". Jubel bricht aus. Gleichzeitig können wir es kaum fassen.

Brandenburger Tor, gegen 15:30 Uhr

Das Ziel ist erreicht, die Demonstration löst sich auf. Greenpeace macht noch ein Gruppenbild. Danach geht's für uns zurück zum Hauptbahnhof. Schnell noch etwas essen und dann Plätze im Sonderzug sichern.

Berlin-Gesundbrunnen, genau 18:00 Uhr

Ungewohnt pünktlich fährt der Zug in Berlin-Gesundbrunnen ab Richtung Ruhrgebiet. Das frühe Aufstehen, das lange Stehen in der Menge und der Fußweg durch Berlin zeigen Wirkung. Viele im Zug schlafen. Wir versuchen es wieder Spielkarten.

Irgendwo in Deutschland, ca. 19:30 Uhr

Wir pilgern Richtung "Partywagen". Nach dem langen, aber sehr schönen Tag haben wir uns alle ein Bier, ein Wasser oder einen Kaffee verdient. Das Gespräch mit anderen Mitreisenden verkürzt die gefühlte Fahrzeit ein wenig.

11.05.2015 - gegen 00:00 Uhr

Wir erreichen das Ruhrgebiet. Aussteigen in Dortmund oder Gelsenkirchen. Dann, ab ins Bett und Kraft tanken für die nächsten Aktionen.

Hintergrund

Die geheim verhandelten Freihandelsabkommen TTIP (mit USA) und CETA (mit Kanada) gefährden die Demokratie durch private Schiedsgerichte für Konzerne und einer gezielten Umgehung der Parlamente bei regulatorischen Gesetzgebungsverfahren. Dies stellt eine Gefährdung für Verbraucher- und Umweltschutzstandards dar. Greenpeace forder daher zusammen mit hunderten Bündnispartern den Stop der TTIP-Verhandlungen und den Abbruch der Ratifizierung des CETA-Abkommens. Über 3,2 Millionen Menschen haben sich europaweit dieser Forderung angeschlossen.

Weiterführende Links

Greenpeace Deutschland: STOP TTIP
Bündnis unfairhandelbar

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