Besuch beim Imker (JAG)

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Am 21.09.2014 besuchte die JAG Essen den Imker Thomas Friese in Mülheim, um ihn zu den Geschehnissen des Bienensterbens und den Prinzipien der Bienenzucht zu interviewen. Der Film „More than Honey“ diente im Vorfelde als Informationsquelle und wurde zum Anlass genommen sich eingehender mit der Thematik und der Situation in Deutschland zu beschäftigen. Dieser Artikel fasst die Ergebnisse des Interviews kurz zusammen:

Wie der Film zeigt ist das Bienensterben vor allem in den USA ein großes Problem. In Deutschland wird die Bienenzucht nicht derart exzessiv genutzt, weshalb die Gefahren für ein großflächiges Bienensterben bei uns in Deutschland als geringfügig bewertet werden. Daher konzentrierte sich das Gespräch schließlich mehr auf die Art und Ausprägung der Züchtung und die Probleme und Ansätze der letzten Jahre.

Das Sterben hoher Mengen an Bienenstöcken ist hierzulande meistens auf das Auftreten von diversen Milbenpopulationen v.a. der Varroamilbe zurück zu führen. In der Vergangenheit hatte man zudem einige Probleme mit der Verwendung von Beizmitteln im Saatgut der Firma Monsanto. Diese Beizmittel ummanteln das Saatgut und wirken daher direkt im Boden ab der Aussaat, wodurch anschließend auf einige Spritzungen verzichtet werden kann. Vereinzelt konnten Verluste in der Artenvielfalt auch auf Pestizid-Einsätze oder die vermehrte Nutzung von Monokulturen in der kommerziellen Landwirtschaft zurückgeführt werden.

In der Bekämpfung von Schädlingen wie Milben werden seit Jahren chemische Schädlingsbekämpfungsmittel angewendet. Diese beinhalten meist schwer zu kalkulierende Risiken und wirken zudem nur kurzfristig. Sie müssen deshalb wiederholend aufgebracht werden und man beobachtet zudem, dass Schädlinge immer wieder Resistenzen gegen diese Mittel entwickeln. Bienen haben zwar bis zu einem gewissen Limit die Fähigkeit Giftstoffe in ihrem Kreislauf zu absorbieren und herauszufiltern. Trotzdem müssen alternative Schädlingsbekämpfungsmittel in Erwägung gezogen werden. Organische/biologische Mittel wie Oxalsäure oder Ameisensäure, die keine Rückstände oder Gefahren für das Bienenvolk hinterlassen, werden hier vorrangig diskutiert. Ihre Verwendung ist im Vergleich zu den kommerziellen Mitteln aufwendig und schwieriger, da große Mengen der verwendeten Stoffe schwerer herzustellen und kostenintensiver sind.

Die vermehrte Verwendung von Monokulturen in der kommerziellen Landwirtschaft führte hingegen zu der Diskussion der Bienenzucht im städtischen Raum. Man kann inzwischen relative gut beweisen, dass in Städten teilweise eine höhere Blütenvielfalt als in landwirtschaftlichen Gebieten herrscht. Bienen kreisen in einem 3-5 km Radius um ihren Bau und könnten somit auch in der Stadt ein großes Gebiet abdecken und einen wichtigen Beitrag zur Artenvielfalt in der Stadt beitragen.

Eine Maßnahme zum Erhalt der Bienenstöcke in Deutschland sei das Pflanzen von heimischen Pflanzenarten und Blumen. Zudem kann man sich auch bei den lokalen Imkervereinen, die in vielen Städten existieren, oder im Rahmen von Info-Veranstaltungen in den Volkshochschulen weiter über das Thema informieren.

Herr Friese ist einer von vielen Stadtimkern in Deutschland. Er züchtet in ca. 10 Bienenstöcken seit 20 Jahren die Bienenart Carnica (Apis mellifera carnica). Er ist Teil des lokalen Imkervereins, der sich über den Kreisimkerverein und schließlich auf nationaler Ebene im Imkerbund organisiert. Dieser wird vom Staat in Form von Schulungen und Lehrgängen von Forschungsinstituten und einer finanziellen Unterstützung bei der Verbesserung der eingesetzten Stoffe unterstützt. Zudem gibt es auch gezielte Lehrgänge von Imkern für (Neu-)Imker.

Auf die Frage hin wie es sich mit dem Kosten-Nutzen-Verhältnis der Bienenzucht bestellt ist, beschied Herr Friese, dass selbige sich bereits nach wenigen Jahren rechnen würde. Im Jahr produzieren seine 10-20 Bienenvölker ca. 300-400 Kilogramm Honig. Weitere Erzeugnisse sind Kerzen in kleiner Stückzahl und Gelee royale, welcher als Futtersaft dient, mit dem die heranwachsenden Jungköniginnen gefüttert werden. In Südeuropa erntet man zusätzlich noch die Pollen.

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