Dicke Luft bei Mobilität

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Essen belegt beim Städteranking zum Thema Mobilität nur Platz 12 von 14. Grund dafür ist vor allem der hohe Anteil des Pkw-Verkehrs und die damit verbundene Luftbelastung.

"Mehr Pkw und weniger Rad geht kaum" (1)

Die heute erschienene Greenpeace Studie zur Mobilität in Großstädten bringt auf den Punkt, was viele Essener Bürger schon geahnt haben: Essen zählt in Sachen nachhaltiger Mobilität zu den Schlusslichtern. Bundesweit wurden die 14 größten Städte, darunter Berlin, Hamburg, München, aber auch Dortmund, Düsseldorf und Köln untersucht. Kriterien waren u.a. Luftqualität, der aktuelle Verkehrsmix, Angebote des öffentlichen Nahverkehrs sowie Bike- und Car-Sharing-Angebote. Essen erreicht gerade einmal Platz 12. Der Anteil des Radverkehrs in der Grünen Hauptstadt Europas beläuft sich auf nur fünf Prozent; der Pkw-Verkehr nimmt mit 54 Prozent besonders viel Raum ein. Nur Stuttgart schneidet beim Verhältnis Pkw / Fahrrad schlechter ab. So erscheint nur logisch, dass die Feinstaub- und Stickoxid-Werte in Essen regelmäßig im roten Bereich liegen: Mit durchschnittlich 42,5 Mikrogramm pro Kubikmeter liegt der Jahresmittelwert für Stickoxide 2,5 Mikrokramm über dem erlaubten Grenzwert. An einigen Brennpunkten, wie etwa der Gladbecker Str. (B 224) werden die Grenzwerte oft noch deutlicher überschritten.

Fehlende Alternativen und lange Wege zur Bahn

Im Vergleich mit anderen Städten, wie Hamburg, Berlin oder Köln fällt auf: In Essen gibt es wenige Alternativen zum Auto. 1.000 Einwohner müssen sich 0,87 Leihfahrräder oder 0,14 Car-Sharing-Autos teilen. Nur etwas mehr als die Hälfte der Einwohner (60 %) können eine Bahnhaltestelle erreichen, die weniger als 600 m von der eigenen Wohnung entfernt liegt. Im öffentlichen Nahverkehr der EVAG (VRR-Tarif) ist zudem die Fahrradmitnahme oft nur gegen Aufpreis erlaubt. Selbst das Monatsticket zur Grünen Hauptstadt (Green Ticket) erlaubt nicht die Mitnahme des eigenes Drahtesels. "Die mit dem Ticket verbundene, zeitlich beschränkte, kostenlose Nutzung der wenigen Leihrräder scheint nur auf dem Papier praktikabel, denn das Netz an Bike-Sharing Stationen ist lückenhaft", so Björn Ahaus von Greenpeace Essen. Dem Essener Bürger stehen somit nur wenige Alternativen zum eigenen Pkw zur Verfügung. 

Die Stadt muss handeln

Essen wird aufgrund der schlechten Luftqualität bereits von der Deutschen Umwelthilfe verklagt. Auch die EU führt Strafverfahren gegen die Bundesrepublik Deutschland, da die Grenzwerte seit Jahren überschritten werden. Während Stuttgart inzwischen handelt und Fahrverbote gegen besonders dreckige Dieselfahrzeuge verhängt, ist man in Essen zögerlich, was den Gesundheitsschutz für die Bürger angeht. Statt konkreter Maßnahmen will die Stadtverwaltung erst einmal nur Gespräche mit der Landesregierung, Umwelt- und Wirtschaftsvertretern führen. 

Essen wirbt im Jahr der Grünen Hauptstadt mit dem selbsterklärten Ziel, bis 2025 - also innerhalb von acht Jahren - den Radverkehrsanteil auf 25 % zu erhöhen. Neben Prestige-Projekten wie dem Ausbau der Fahrradautobahn RS1 gelingt es der Stadt Essen bisher aber kaum, signifikante Maßnahmen zur Steigerung des Radverkehrs durchzusetzen. Vielleicht auch deshalb, weil man, um dieses Ziel zu erreichen, den Autoverkehr einschränken müsste. Politiker und Stadtplaner sind gefordert, wirklich umzudenken und eine echte Verkehrswende einzuleiten. Das bedeutet, den öffentlichen Nahverkehr zu fördern, sowie Bike- und Car-Sharing weiter auszubauen. Bundesweit sprechen sich laut der Greenpeace-Studie übrigens vier von fünf Bürgern für einen solchen Umbau unserer Städte aus (2).

Verkehrswende ist klimapolitisch notwendig

Der Verkehr trägt mit durchschnittlich 160 Mio. Tonnen im Jahr einen erheblichen Teil zum gesamten CO2-Ausstoß in Deutschland bei. Seit 1990 sind diese Zahlen trotz effizienterer Fahrzeuge nahezu gleichgeblieben (3). Neben gesundheitlichen Risiken durch Feinstaub und Stickoxide ist der Verkehr also auch ein relevanter Faktor in punkto Klimawandel. Gerade die großen Städte haben durch ihre hohe Bevölkerungsdichte die Möglichkeit, eine Infrastruktur zu schaffen, bei der man auf ein eigenes Auto verzichten kann. 

 

 

Quellen:

(1) Greenpeace: Mobiltätsranking (2017), Seite 32
(2) Greenpeace: Mobiltätsranking (2017), Seite 2
(3) Greenpeace: Mobiltätsranking (2017), Seite 3

Weiterführende Links

Städte-Ranking Mobilität (PDF)

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